Ein Tag im Leben des Laurent Benjamin Mbaiya

Benjamins Tag beginnt wie immer, seit Juni 2017 zumindest, um 5.55 Uhr. Schnell zieht er sich seine Sporthose und sein Polyestershirt an. Dann geht er mit verschlafenen Augen zum Speisesaal, weil davor eine alte Autofelge hängt, in der ein kleiner Stock aus Stahl hängt. Damit schlägt der 18-jährige junge Mann aus Daressalaam um Punkt 6.00 Uhr mehrere Male so kräftig wie möglich in die Felge. Die anderen Jungs sollen schließlich aufwachen.

Jetzt bleiben ihm noch knapp eine halbe Stunde um sich für den Tag fertig zu machen. Denn um 6.30 Uhr, nun schon etwas frischer, schlägt er wieder ganz laut die Autofelge. Nein, nicht als zweiten Wecker, weil der erste stumm geschalten wurde. Jetzt beginnt die Arbeit. Genauso wie die anderen füllt er seine Gieskanne am Wassertank auf und geht damit zu den Bananenstauden, den Avocadobäumen, in den Gemüsegarten oder zu den Papayapflanzen – immer wieder und immer wieder, eine Stunde lang.

Danach hilft er noch kurz beim Holzhacken. Anschließend zieht er sich noch seine Schuluniform an. Um Punkt 8.00 Uhr bedient er wieder den manuellen Gong, danach ab in den Unterricht. Ob er es als Unterricht wahrnimmt, das ist nicht sicher, denn er baut selbstständig einen Hocker. Nur ab und zu gibt ihm sein Lehrer Mkisi einen Tipp. Ansonsten baut er einen Hocker, dem man nicht ansieht, dass der Tischler nur eine handvoll Werkzeuge zur Verfügung hatte.

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Benjamin (links) und Alfonce bei der Arbeit.

Um 10.00 Uhr beginnt die Frühstückspause, die Benjamin als Gong-Beauftragter natürlich selbst beginnen lässt. Mit heißem Chai-Tee und gekochten Bananen tankt er Kraft für weitere zweieinhalb Stunden Hämmern, Hobeln und Sägen.

Um 13.00 Uhr gibt es Reis mit Bohnen, als Nachspeise bekommt Benjamin eine Stange Zigaretten. Nein natürlich nicht! Eine Stange Zuckerrohr bekommt er. Er kann sie zwar nicht essen aber er kann den Zuckersaft aus dem Fruchtfleisch heraussaugen, es ist fast meditativ.
Weil das relativ lange dauert, muss er sich beeilen. Geschwind in seine Sicherheitsstiefel schlüpfen, Helm und Handschuhe schnappen, dann wie immer: der Schulgong sein.

Die anderen fangen gleich an mit der Feuerwehrübung doch er darf erst einmal zusammen mit dem Rest die Freiflächen fegen. Nachdem endlich abgelöst wurde, darf er auch über eine dreiteilige Steckleiter auf den Schlauchturm steigen. Oben angekommen, ist die Aussicht wunderschön. Man kann ganz Bunju sehen und noch viel weiter, vielleicht sogar bis nach Bagamoyo. In der anderen Richtung erstreckt sich der Indische Ozean gefühlt ins Unendliche.
Na klar, natürlich sagt der Feuerwehrausbilder aus Deutschland, dass er gleich wieder runterkommen soll, die Leiter abbauen und gleich noch mal aufstellen…

Mittlerweile ist es halb 5 Uhr abends. Nachdem er noch schnell etwas getrunken hat, spielt der angehende Tischler Fußball mit den anderen Jungs und ein paar anderen Leuten aus der Nachbarschaft des Internats.
Sein Fuß schmerzt, als ihm ein anderer, der Schuhe hat, auf den Fuß steigt. Wer aufhört, kann aber nicht gewinnen.

Vor dem Abendessen wäscht er schnell seine Wäsche und quatscht noch ein bisschen mit seinem Freund Iddi.
Gesättigt durch Maisbrei und Linsen mit einer kleinen Banane als Nachspeise, kann er sich entspannen. Nach einer kurzen Pause geht er in die Bibliothek, dort kann er in Ruhe noch einmal die Tischlereitheorie für die Prüfung im November wiederholen und Englisch lernen.

Als „Belohnung“ schlägt er den Schulgong noch zweimal um 9.55 Uhr bevor auch er sich in den Schlafsaal begibt.

Morgen wird er noch mal fast genau das Gleiche machen. Aber das ist okay so.

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Jugendfeuerwehr Hamburg im Centre

Die Safari war natürlich sehr schnell vorbei. Unmittelbar am nächsten Tag begann für die JF Hamburg der Besuch auf dem Centre. Für die Hamburger Reisegruppe ist das das Herzstück ihres Aufenthalts in Tansania. Es geht um einen Jugendaustausch, bei dem junge Menschen die sehr unterschiedlich aufgewachsen sind, zusammen lernen, arbeiten und spielen. Man könnte meinen, dass das nicht so richtig klappt, weil die Sprachbarriere und die Ungleichheiten zu mächtig sind. Ich konnte mich jedoch vom Gegenteil überzeugen und beobachten wie schnell die Gruppen zusammenfinden.

Über die letzten Jahre sind immer wieder auch ein paar Internatsschüler nach Hamburg gereist. Dort hatten sie ein ähnliches Programm wie diejenigen, die sie zuvor in Tansania besucht haben: Ein bisschen Reisen, und natürlich viel Feuerwehr.

Im nächsten Jahr sollen wieder Schüler des Dogodogo-Centres nach Hamburg kommen.

Die Nord-Süd Delegation des Jahres 2018 verbrachte fünf Tage am Centre. Zuerst bekamen sie von mir eine Führung über das Internatsgelände. Stephan und Monika, die bereits seit 10 Jahren meine Projektstelle besuchen, und Rika, die vor 5 Jahren ein Jahr lang auf dem Internat gelebt hat, haben hierbei ergänzend über die Entwicklung des ca. 20 Hektar großen Geländes Aufschluss gegeben.

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Danach begannen die Feuerwehrübungen: Saugschläuche kuppeln, Löschangriff, Umgang mit Schere und Spreizer, Hebekissen sowie dem Greifzug. Außerdem haben wir einen ganzen Tag den tragbaren Leitern, nämlich der dreiteiligen Schiebeleiter und der vierteiligen Steckleiter, gewidmet. Anleitern mit der Steckleiter hatten die tansanischen Schüler schon mit mir geübt, doch mit Rikas, Stephans und vieler anderer Unterstützung arbeiteten wir am Feinschliff, den ich in der noch relativ kurzen Zeit noch nicht erreicht habe. Jetzt sollten die Befehle und Handgriffe für die Steckleiter bei den meisten eigentlich sitzen.

Die Schiebeleiter haben wir zu viert erst einmal getestet, bevor sie zur Übung mit den Schülern frei gegeben wurde. Die Schiebeleiter ist grundsätzlich schwerer zu bedienen als die Steckleiter. Ihre Rettungshöhe beträgt zwölf Meter. Eine vierteilige Schiebeleiter kommt nur auf acht Meter. Zudem ist sie viel schwerer und wird mit einem Seil aufgezogen und abgelassen. Hinzu kommt, dass die Schiebeleitern der Internatswache noch keine Sicherheitshebel haben, was die Benutzung noch mal gefährlicher macht.

Deswegen war es so gut, dass die erfahrenen Feuerwehrleute die Ausbildung an der Schiebeleiter übernommen haben, denn das traue ich mir nicht zu, es wäre unverantwortlich von mir das alleine zu versuchen.

Das waren auch schon die ersten drei Tage des Besuchs gewesen. Erst kommt die Arbeit, dann das Vergnügen. Nach diesem Motto waren die letzten beiden Tage dann auch Spieltage.

Sechs gemischte Gruppen durften bei sechs Stationen, die mehr und weniger feuerwehrverwandt waren, ihr Geschick unter Beweis stellen. Die Stationen waren zum Beispiel Schlauchkegeln, ohne Sicht wasserführende Amaturen kuppeln oder auch Montagsmaler. ( https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Montagsmaler ) Es gab auch keine Verlierer, sondern nur Gewinner.

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Die ersten vier Tage waren sehr schnell vorbei und der letzte Tag würde nicht weniger schnell vorüber gehen. Vormittags haben alle noch einmal eine zweieinhalbstündige Erste Hilfe Einheit bekommen. Nach dem Mittagessen wurde trotz gefühlter 45 Grad Fußball gespielt. Mit vielen Trinkpausen hatten alle ihren Spaß und der Abschied viel dann gar nicht einmal leicht.

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Für die Berufsschüler ging des am nächsten Tag wieder weiter mit der Arbeit und dem Unterricht, während die Hamburger nach Sansibar übergesetzt haben.

Die vielen Tipps von Rika, Stephan und den anderen werden mir in Zukunft hoffentlich helfen. Herzlichen Dank fürs Lesen.

Safari – Standardtourist?

Feuerwehrautos begutachten oder wilde Tiere, darunter drei Vertreter der Big Five, in mehr oder weniger freier Wildbahn beobachten – was ist besser? Schwer zu sagen. Ein bisschen mehr spricht aber für die wilden Tiere, denn um sie in Freiheit beobachten zu können müssen Hamburger Jugendfeuerwehrler erstmal weit reisen. Außerdem ist letzteres deutlich teurer.

Auch deshalb folgte auf den !Feuerwehrtag! die fast noch spannendere Safarireise in den Mikumi National Park. Der Anfang war aber zweifellos schlechter als der des Feuerwehrtags.

Warum?

 04.30 Uhr Fühstück, 05.00 Uhr Abfahrt. Reisedauer: zu lange

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Herzlich Willkommen!

Aber es hat sich gewiss gelohnt. Schon am Anreisetag haben wir Elefanten, Giraffen, Impalas, Gnus, Krokodile, Affen, Zebras und Nilpferde gesehen.

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Das war bereits bei der Fahrt zum Zeltplatz.

Christa und Bernhard, unsere (inoffiziellen) Guides und Safari Organiser, haben zwar keinen tansanischen Pass, sind aber trotzdem Einheimische. Mit ihrer Hilfe konnten wir mit komplett selbst mitgebrachter Ausrüstung campen. Das fühlte sich wirklich besonders an.

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In dem weißen Landrover mit Trailer sitzen Bernhard und Christa. Sie haben die Campingausrüstung transportiert.
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Unser Zeltplatz.
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Der Sonnenuntergang, auch schon am ersten Abend.
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Leider waren die Kräfteverhältnisse gleich klar, sodass der Kampf nach wenigen Sekunden bereits beendet war.

Zwei ganze Tage lang sind wir dann mit Geländewägen durch die Gegend gebraust. Natürlich hat das Spaß gemacht.
Verpflegt wurden wir/haben wir uns auch sehr gut. Bernhard und Christa haben sogar richtige Butter und selbstgebackenes Brot aus Arusha, einer größeren Stadt im Norden, mitgebracht.

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Auch wenn die Löwen nur chillen wollen, trauen sich die anderen nicht so richtig ans Wasser.
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Elefanten hätten bei Coolness Awards gute Chancen.
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Siesta haben wir uns keine genehmigt.

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Geschossen haben die Fotos haben Monika und Stephan Geiger sowie Lino und Daniel Borchert. Herzlichen Dank, dass ich sie benutzen darf!

Feuerwehrtag in Daressalaam mit der Jugendfeuerwehr Hamburg

Freitag, der 28. September. Die Jugendfeuerwehr Hamburg besucht die Berufsfeuerwehr von Daressalaam, die Fire and Rescue Force. Doch sie ist nicht alleine, denn der Dogodogo-Praktikant ist auch dabei.

Neben einem Militärgelände wurde erst vor wenigen Jahren die Feuerwache errichtet. Der Zustand ist gar nicht so schlecht und die dortigen Beamten sehr nett. Die Wache wurde uns gezeigt und wir wurden sogar zu einem zweiten Frühstück eingeladen. Dank Rika, die eine Vorgängerin (hier ihr Blog) von mir ist und von der JF Hamburg als Übersetzerin engagiert wurde, hat das alles gut geklappt und ein ordentliches Gespräch über die Feuerwehren in Deutschland und Daressalaam entstand, bei dem alle Beteiligten etwas lernen konnten.

Danach sind wir, aufgrund des zweiten Frühstücks, etwas verspätet bei der Ilala Station  (Blogpost von einem Studenten, der dort sein Praxissemester absolviert hat) angekommen. Das ist die eigentliche Hauptfeuerwache, in der auch der sogenannte Control Room ist. Das soll eine Art Leitstelle sein. Auch hier bekamen wir eine Führung. Rika sowie Monika und Stephan (Leiter und Organisatoren des Jugendaustauschs) haben alte Bekannte wiedergetroffen und auch eine altbekanntes wiederkehrendes Bild gesehen. Die anderen Jugendlichen und ich waren negativ beeindruckt von der eigentlichen Hauptwache eine Millionenstadt. Warum das? Dieser Blogeintrag hat damit zu tun.

Die Flughafenfeuerwehr, zu der wir danach gefahren sind, ist zwar – genauso wie die andere Feuerwehr – auch dem Innenministerium unterstellt, hat aber eine Bedeutung für die verantwortlichen Beamten und Politiker. Sie muss nämlich internationale Standards erfüllen, damit der Flughafen die für internationalen Flugverkehr notwendige Zertifizierung erhält.
Offensichtlich wird dort viel mehr Geld aufgewendet, als in der Feuerwehr, die für die Bevölkerung zuständig ist.
Bei der Schauübung mit einem Flugfeldlöschfahrzeug konnten wir uns überzeugen, dass die Einsatzkräfte ihren Job auch erledigen, falls sie gebraucht werden. Bei dieser Vorführung durfte die Anfahrt zum Brandobjekt natürlich nicht fehlen. Wir waren nicht nur von der Schnelligkeit der Löschangriffs begeistert, sondern wurden auch unfreiwillig geduscht, weil der sehr starke Wind die Richtung des Wasserwerfers merklich beeinflusst hat.

Nach einer Pommesrunde in einer Art Flughafenkantine ging es wieder zurück durch den Feierabendstau zur Unterkunft der Hamburger Jugendlichen. Am nächsten Tag, Samstag, dem 29.9., würden wir bereits um 4.30 Uhr frühstücken, denn um 5.00 war schon die Abfahrt in den Mikumi Nationalpark rund 4 Stunden südwestlich von Daressalaam.