Schnappschuss #6

In Arusha gibt es mitten in der Stadt eine Ruheoase.
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Erster Weltwärtsbericht

Eine Aktivität jagt die nächste. Nicht nur das Leben in Deutschland ist stressig, entgegen aller Vorurteile über die „Slow-slow“-Lebenseinstellung der Tansanier habe nicht nur ich, sondern auch viele andere in diesem Land ordentlich Stress.

Neben meiner Vollzeitarbeitsstelle möchte ich mich – genauso wie bisher in Deutschland – entspannen, lesen, Filme ansehen, aber auch Orte und Freunde besuchen und Sport treiben. Natürlich geht das nicht alles gleichzeitig. Nach einem viertel Jahr, über das nun eine Bilanz folgt, ist mittlerweile Alltag eingekehrt.

Wie bei vermutlich allen Weltwärtsfreiwilligen in Tansania war meine erste Zeit aufgrund  nahezu pausenloser Reizüberflutung sehr anstrengend. An dieser Stelle möchte ich meiner Entsendeorganisation (EO) „Kawaida – Sozialer Dienst in Afrika e.V.“ danken, dafür dass sie einen sehr angenehmen Anfang für uns organisiert haben. Wir wurden bei Thomas’ Vermietern gut aufgenommen und die zwei jungen Männer Junior und Erick, die sich unserer annehmen sollten, haben ihren Job sehr gut gemacht. Sie sind jetzt zwei gute Freunde von uns, die ich leider viel zu selten sehe, weil ich woanders wohne.

So anstrengend die „Akklimatisierung“ war, so aufregend empfand ich sie auch. Was mich  rückblickend motiviert, ist, dass ich merke, wie viel ich schon kann, verglichen mit den ersten Tagen, in denen ich mich wie ein Säugling gefühlt habe, der außerhalb seines Zimmers (für mich außerhalb des Hauses) komplett auf die Hilfe anderer angewiesen ist. So hoffe ich auch, dass ich noch mehr hinzulernen werde.

Wesentlich für den Weltwärts-Freiwilligendienst ist auf der einen Seite das Kennenlernen der jeweilig anderen Kultur, was auch in der Freizeit geschieht. Auf der anderen Seite ist es die Tätigkeit auf der Einsatzstelle.
Das Berufsschulinternat für ehemalige Straßenkinder und Waisenkinder, auf dem ich arbeite, wird von einem geistlichen Tansanier, Rev. Dr. Dyfrig Maliti CSSp, geleitet, der die Philosophie der „Spiritans“, seiner Ordensgemeinschaft, wirklich lebt.
Mit dem Dogodogo Multipurpose Training Center, das er metaphorisch wie buchstäblich wieder aus dem Dreck ausgegraben hat, ermöglicht er aktuell knapp 30 jungen Frauen und Männern ein leben in Würde und eine berufliche Perspektive.
Zweifellos bin ich sehr glücklich, dort zu sein und gleichzeitig motiviert, meinen Teil beizutragen, dass die Schüler*innen für ihre Zeit nach dem Dogodogo Centre gewappnet sind.

Dies versuche ich mit Englischunterricht, aber vor allem mit Feuerwehrunterricht und dem damit verbundenen Allgemeinwissen und Sicherheitsbewusstsein zu erreichen. Der Unterricht ist für mich meistens anstrengend und anspruchsvoll. Mich motiviert, wenn ich merke, wie eine Botschaft zumindest bei manchen ankommt, wie sich die Schüler*innen über die Abwechslung im harten Internatsalltag freuen, obwohl Nachmittagsunterricht in sengender Hitze mit dicker, langer Feuerwehrausrüstung eher abschreckend klingt.

Man könnte jetzt meinen, das würde ja nichts nutzen, denn ich sei ja kein Lehrer und würde es deshalb gar nicht können. Doch erstens habe ich genug Zeit, meine Unterrichtsstunden gut vorzubereiten. Zweitens steht mir viel Material zur Verfügung. Drittens habe ich von Julia und Judith, zwei Lehrerinnen aus Deutschland, die meine Arbeitsstelle schon mehrmals besucht haben, viele Tipps und tatkräftige Unterstützung beim Vorbereiten bekommen.

Für den Feuerwehrunterricht gilt Ähnliches. Die Zeit um die Übungen vorzubereiten reicht bei Weitem aus, mir steht genug Material zur Verfügung und mein Suaheli genügt längst für Ansagen und Befehle.
Soweit, so gut. Trotz alledem vergessen meine Schüler*innen sehr viel sehr schnell. Zum einen fällt es einigen sichtlich schwer, sich Namen, Bewegungsabläufe und Strukturen einzuprägen. Zum anderen unterrichte ich immer erst nach dem Mittagessen von 14.00 Uhr bis 16.30 Uhr. Ihr Schultag beginnt aber nicht um 8.00 Uhr, oder gar um 9.00 Uhr, wie einige Wissenschaftler es in Europa empfehlen, sondern und 6.30 Uhr. Selbstverständlich sind sie dann nachmittags schon sehr müde und können sich nicht immer perfekt auf englische Grammatik konzentrieren.

Als Verantwortlicher für die Feuerwache und die Feuerwehrübungen werden meine Ideen  nicht durch Vorgesetzte oder Kollegen eingeschränkt. Lediglich Geld und Sicherheitsbedenken des Internatsleiters gebieten mir Einhalt. Der direkte Sprung von reproduzierendem Schüler und als Nebenjobber in der untersten Stufe der Hierarchie zum eigenen Herr über die Arbeit ist eine motivierende Herausforderung und obwohl ich mich noch daran gewöhnen muss, bemühe ich mich, meine Möglichkeiten zu nutzen und im Rahmen dieser die bestmögliche Ausbildung anzubieten.

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Die Aussicht vom Schlauch- und Übungsturm.

Da ich auch auf dem Internat wohne, fast alle Mahlzeiten zusammen mit meinen Schüler*innen einnehme und unter anderem mit ihnen z.B. Fußball spiele, begegne ich ihnen meistens nicht wie ein Lehrer. Auch deswegen ist es dann im Gegenzug umso schwieriger für mich, dann, wenn es nötig ist, die Lehrerrolle zu verkörpern. Nichtsdestotrotz ist es insgesamt eher einfach für mich. Man muss auch wissen, dass ich kaum merklich älter bin als meine Schüler. Als 19-jähriger andere 19-jährige zu unterrichten und eine klare hierarchische Distanz aufzubauen fühlt sich ungewohnt an.
Generell betrachtet, empfinde ich den Umgang mit den Schülern als ungezwungen, ich fühle mich gewürdigt und respektiert in meiner Tätigkeit.

Die Sprachbarriere, die vermutlich nie verschwinden wird, nehme ich als lähmend war. Ich fühle mich wie eingesperrt in einer kleinen Kiste aus der ich nicht herauskomme, weil ich mich nicht entsprechend artikulieren kann. Es ist für mich nicht möglich, eine Diskussion oder ein intensives Gespräch zu führen, weil meine Suahelikenntnisse beschränkt sind. Zum Glück wird das nicht schlimmer, sondern besser, weswegen ich optimistisch auf die nächste Zeit blicke. Im Alltag komme ich jedenfalls gut mit der Sprache klar.

Ja, ich vermute, dass die nächsten 9 Monate ganz schön werden können, wenn es so weitergeht wie bisher. Dafür möchte ich allen Beteiligten danken.

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Im Stadtbus aufgenommen. Auf dem Weg von Ubungo nach Bunju.