Dogodogo Centre – Multipurpose Training Centre, Update

Im Oktober hatte ich das Projekt, in dem ich mitarbeite, vorgestellt. Bereits am Tag meiner Ankunft hier im Dogodogo Centre merkte ich, dass es ein besonderer Ort ist. Das sehe ich immer noch so. In der Zwischenzeit hat sich einiges verändert, die Entwicklung geht ohne Zweifel in eine positive Richtung.

Als ich ankam, waren es 26 Schüler*innen. Im Januar kam ein neuer Jahrgang mit ca. 40 Mädchen und Jungen, die älteren sind Ende Juni nach zweijähriger Ausbildung aufgeflogen, um jetzt in kleineren Teams als Handwerker ihr täglich Brot zu verdienen.

Unter den neuen Schülern gibt nun zwei Schneiderklassen, nicht mehr nur eine und dazu noch eine Schweißerklasse.

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Ein wichtiger Vorteil für Dogodogo als Institution ist, dass die Schüler*innen zusammen mit den Lehrern viele handwerkliche Arbeiten selbst erledigen können. So werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Erstens lernen die Jugendlichen ihren Beruf praxisnah und können schon früh wirklich etwas erreichen. Zweitens spart sich das Centre viel Geld für Handwerker. Geld, das stattdessen in gesunde Ernährung und gutes Werkzeug investiert werden kann. Die meisten Arbeiten können ohne externe Handwerker erledigt werden. Wenn doch andere Arbeiter kommen, werden sie tatkräftig von den Jungs unterstützt. Die Dachkonstruktionen der neuen Bauten beispielsweise haben die Schreiner mit ihrem Lehrer gebaut.

In der neuen Werkstatt, haben die jungen Handwerker das Dach selbst gebaut.

Dabei bleibt es aber nicht. Hinzu kommt, dass sogar einige, auch lukrative, Aufträge von Kunden erledigt werden. Daumen hoch an die anderen Lehrer, die es schaffen, die Aufträge in den Unterricht zu integrieren.

Das dringendste Problem war ein Wasserproblem. Die alte Pumpe funktionierte nicht mehr voll umfänglich und ihr Wasser war zu salzig für hochqualitatives Trinkwasser. Stattdessen industriell verpacktes Trinkwasser kam nicht in Frage, schlicht, weil es nicht bezahlbar gewesen wäre. Doch Anfang dieses Jahres wurden dann endlich zwei neue und bessere Grundwasserpumpen an besseren Standorten installiert. Jetzt schmeckt das Wasser ziemlich lecker. Trinkwasser aus dem Wasserhahn ist wirklich ein Luxus.

Eines der Wohnhäuser wurde saniert, jetzt wohnen fast alle der Mädchen in Gastfamilien, sondern leben auf dem Campus. Für den Zusammenhalt und die Lernatmosphäre ist das sehr gut.

Die neuen Klassen brauchen auch Klassenräume. So wurde die Schweißerwerkstatt gebaut und die bisher unbenutzten Klassenräume saniert.

Außerdem wurden die meisten Dächer neu bemalt (zweck?) und der Gemüsegarten kann jetzt, da deutlich mehr Schüler*innen vor Ort sind, noch intensiver bewirtschaftet werden. Das wird er auch, sogar ein Gärtner arbeitet dort. Werden Hände gebraucht, wie zum Beispiel beim gießen, müssen die Schüler*innen ans Werk. IMG_20190218_170450.jpg

Obst und Gemüse für 60 Münder zu kaufen ginge ordentlich ins Geld. Auch deshalb schmecken Salat, und neuerdings auch Wassermelonen umso besser. Auf spätere Ernten freuen wir uns schon, zum Beispiel auf einige Bananen und Maniokwurzeln.

Bei Bagamoyo, einer kleinen Hafenstadt nördlich von Dar Es Salaam, werden zudem ein paar Hektar für das Center bewirtschaftet. Zum einen dient es der Selbstversorgung, zum andern werden die Überschüsse verkauft. Die Strategie, von Spenden unabhängig zu werden, wird ehrgeizig umgesetzt.

Wenn sich das Center weiterhin so entwickelt, bin ich gespannt, wie es dort in ein paar Jahren zugeht und aussieht.

Schnappschuss #13

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Links sieht’s besser aus, oder?

Herzlichen Dank an Reinhard Paulsen für die finanzielle Unterstützung, mit der ich die Internatsfeuerwehr mittelfristig mit genug Schuhcreme (auf Suaheli übrigens „Kiwi“ genannt, aber nicht so gesung und grün) eindecken konnte, sodass die Stiefel schön aussehen und in der staubigen Umgebung länger halten.

Ostern und Silberhochzeit Lushoto

Lushoto liegt in den Usambarabergen und ist deshalb angenehm kühl. Früher hieß es sogar einmal Wilhemstal und als im Jahr 1900 ein kaiserliches Bezirksamt einzog, lebten dort ca 200 Menschen.

Jetzt leben dort viele Menschen mehr, Schwärme von Touristen strömen täglich heran und es wachsen die angeblich besten Kartoffeln des Landes. Dass sie wirklich sehr gut sind, kann ich bestätigen, denn die Gastfamilie von Fabian, ein super Freiwilliger, hatte uns über Ostern nach Lushoto eingeladen. Der Familienvater Julius betreibt dort ein Gasthaus, in dem die Verwandtschaft für das Osterwochenende und seine Silberhochzeit zusammen kam. Seine Frau Neema lebt mit den „Kindern“ in Daressalaam unweit vom Dogodogo Centre. Bei ihr bin ich öfter zu Besuch, Fabian lebt in der Familie.

Erstens war es sehr angenehm, der Hitze von Daressalaam entkommen. Zweitens war ich mit einer lieben Truppe unterwegs und Lushoto ist wunderschön. Deshalb habe ich das verlängerte Wochenende sehr genossen.

Wie vorbildliche Touristen sind wir zum Irente Aussichtspunkt gewandert. Davor waren wir aber vorbildlich in der Ostermesse.

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Geht ganz schön tief runter!
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Hier erkennt man gut den menschlichen Fußabruck. Grün wird zu braun. Außerdem der Dar – Arusha Highway. Die Aussicht vom Irente View Point

Die Predigten in der Kirche übersteigen zwar meine Sprachkenntnisse doch vieles andere kann ich schon verstehen, so dass die Kirchenbesuche auch ein Erlebnis waren. Beim Ostersonntagsgottesdienst fand ich interessant, dass die Empore für die Kinder vorgesehen ist. Freilich ist es dort dann nicht ganz so ruhig wie es sich die Verantwortlichen wünschen würden.

Auch außerhalb der Kirche war es sehr schön, ein Teil eines großen Familientreffens zu sein. Nicht nur das Essen und die Stimmung waren klasse, ich habe auch interessante Menschen getroffen. Ein älterer Herr zum Beispiel, der in den 1970-er Jahren in England studiert hat. Als M.A. of Health Management hat er nach seiner Rückkehr nach Ostafrika wesentlich am Bau eines wichtigen Krankenhauses in Moshi, einer wichtigen Stadt in der Region den Kilimandscharo, mitgewirkt.

Wie schwierig es damals war, mit Freunden und Verwandten in der Heimat zu kommunizieren, kann ich mir kaum ausmalen, denn ein Telefon gab es nicht in einem normalen Haushalt und internationale Gespräche waren alles andere als billig. Ich bin ganz froh, dass es für mich deutlich leichter und sehr kostengünstig ist.

Ein anderer Verwandter hatte eine Nierentransplantation. Weil das aber in Tansania nicht ging oder nicht zu empfehlen war, musste er extra für die Operation nach Indien fliegen. Ein Glück für uns in Deutschland, auch die beste medizinische Versorgung im eigenen Land zu haben.

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Sehr lieb, dass ich mit aufs Familienfoto durfte.

Für mich war in Lushoto trotzdem alles bestens. Nette Leute, gutes Wetter, angenehme Temperaturen und sehr leckeres Essen haben den Aufenthalt viel zu kurz werden lassen. Hoffentlich schaffe ich es noch einmal nach Lushoto, das zum Glück nicht mehr Wilhelmstal heißt.

Freiheitsrechte sind was Feines

Bei mir zuhause in Freising bzw. Deutschland ist politisch und gesellschaftlich viel los seit ich ausgereist bin. Zumindest nehme ich die Nachrichtenlage so wahr. Von der Landtagswahl in Bayern über FridaysForFuture zur Europawahl wurde es nicht langweilig.

Doch auch in Tansania sind es bewegte Zeiten. Mit der Amtsübernahme von Präsident John Pombe Magufuli (Pombe heißt übrigens so viel wie Alkohol) im Jahr 2015 sind einige Veränderungsprozesse ins Rollen gekommen.

Magufuli

Er hat geschafft, glaubwürdig gegen die in den Behörden verbreitete Korruption vorzugehen, die Entwicklung der Infrastruktur kommt voran. Die Bürgerinnen und Bürger merken das auch, schließlich wird fleißig gebaut.

Noch 2017 liest man auf CNBCAfrica ein Loblied auf den noch neuen Präsidenten.

https://www.cnbcafrica.com/news/east-africa/2017/01/03/tanzanias-president-john-magufuli-the-bulldozer/

Unter anderem wegen der Bauprojekte und seiner kompromisslosen Art nennt man ihn auch den Bulldozer. „Kompromisslose Art“ halte ich für einen wunderbaren Euphemismus, denn es verschleiert ganz gut, dass er gleichzeitig die Grundfreiheiten seiner Bürger einschränkt und die demokratische Entwicklung der letzten 30 Jahre rückgängig machen will.

“President John Magufuli hates critics, gay people and accurate statistics” schreibt The Economist mitte Mai diesen Jahres.

https://www.economist.com/middle-east-and-africa/2019/03/14/tanzanias-leader-the-bulldozer-runs-off-course

Magufuli Cartoon

Er nutzt seine Macht unverhohlen, um gegen kritische Stimmen vorzugehen. Die Medien werden immer weiter in ihrer Freiheit eingeschränkt. In diesem Artikel erklärt eine junge Journalistin, wie es Bloggern fast unmöglich gemacht wird, weiterhin als Blogger aktiv zu sein. Teure Genehmigungen, sehr strenge Regulierungen und die Behörden haben das Recht, gegen Inhalte vorzugehen und so weiter.

https://www.theverge.com/2018/7/6/17536686/tanzania-internet-laws-censorship-uganda-social-media-tax

Die Opposition wird mit allen Mitteln der Kunst klein gehalten und unterdrückt. Das ist nicht mal richtig, sie wird ziemlich offensichtlich versucht zu beseitigen. Andere Oppositionspolitiker werden mit lukrativen Angeboten zum Wechsel in die Regierungspartei CCM, übersetzt steht es für Revolutionspartei, bewegt.

https://www.thecitizen.co.tz/News/Tanzania-opposition-in-shock-as-Waitara-defects-to-CCM/1840340-4686740-10kwws0/index.html

Wer die Zeit und Muse hat, kann sich diesen Podcast mit Herr Tundu Lissu anhören. Er war ein führender Politiker und Abgeordneter der größten Oppostionspartei CHADEMA, der Partei für Demokratie und Fortschritt. Seit einem lebensgefährlichen Anschlag auf seine Person befindet er sich im Ausland für medizinische Behandlung und jetzt für Rehabilitation. Erst kürzlich wurde er seines Mandats enthoben.

https://www.africanews.com/2019/06/29/tanzania-opposition-leader-tundu-lissu-stripped-of-parliamentary-post/

Podcast:

http://traffic.libsyn.com/onafrica/On_Africa_-_Episode_9_-_Tundu_Lissu.mp3?dest-id=811374

Tundu Lissu bei einer Rede im Parlament.

Die Deutsche Welle umreißt die Problematik relativ übersichtlich.

https://www.dw.com/en/tanzania-political-climate-worsens-amid-crackdown-on-opposition/a-40422844

Im Alltag bekomme ich davon nur wenig mit. Es wird nur wenig darüber gesprochen. Dass man seine Meinung nicht problemlos äußern kann, wird, so mein Eindruck, hingenommen. Vielleicht ist es sogar im Interesse der Regierenden, dass eher wenig über Politik diskutiert wird.

Ich würde mir wünschen, dass zumindest in Europa die individuellen Freiheiten weiterhin bestehen bleiben. Dafür sollten wir uns einsetzen.

 

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